Im Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden Mario Mende und Schulleiter Klaus-Dieter Hinz erkundigten sich die beiden CDU-Politiker nach der Schulentwicklung und den Bedingungen am Standort Lützen. Im Juli 2012 musste die ehemalige staatliche Sekundarschule aufgrund stark rückläufiger Schülerzahlen geschlossen werden. Es gründete sich eine Initiativgruppe aus Bürgern, Wirtschaftsvertretern und Kommunalpolitikern, aus der schließlich der Trägerverein „Freie Gesamtschule Gustav Adolf e.V.“ entstand. Seit der Aufnahme des Schulbetriebes im September 2012 kann sich Vorstandsvorsitzender Mende nicht über mangelnden Zuspruch beklagen. Derzeit gibt es an der Schule eine doppelzügige Struktur der fünften und sechsten Klassen. „Und für das neue Schuljahr haben wir bereits viele Anmeldungen erhalten, nicht nur aus der Kernstadt Lützen“, so Mario Mende. Auch aus Sachsen kämen zunehmend große Schülerzahlen. Schulleiter Klaus-Dieter Hinz erklärte Götz Ulrich die Intention der Freien Gesamtschule: „Wir geben den Kindern hier die Möglichkeit auch nach Abschluss der Grundschule im gleichen Klassenverband zu lernen und gewährleisten so einen homogenen Bildungsverband.“
Die Schule befindet sich in der Trägerschaft des Vereins „Freie Gesamtschule Gustav Adolf e.V.“. An Schulen in freier Trägerschaft werden jedoch die gleichen Anforderungen wie an eine staatliche Schule gestellt: Die Freie Gesamtschule Lützen muss demnach in den ersten drei Jahren ihres Bestehens nach einem eigenständigen wirtschaftlichen Konzept ohne staatliche Zuschüsse arbeiten. „Die Gebäudevoraussetzungen hier am Schulstandort sind nicht die besten“, gab Mario Mende zu bedenken. Nichtsdestotrotz versuche man gemeinsam mit Eltern und Schülern und der Stadt Lützen die Gegebenheiten im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu verbessern. So treffen sich Eltern und Schüler beispielsweise zum Malern in den Garderobenräumen. „Die Kinder haben offensichtlich auch Spaß daran, das Schulgebäude einmal für sich in Beschlag zu nehmen“, lächelte Schulleiter Hinz.
Dennoch lag es auch Bürgermeister Dirk Könnecke am Herzen, den CDU-Politikern seine Probleme zu kommunizieren: Gerade erst habe die Stadt es geschafft, den Essensraum grundlegend neu einzurichten und so eine gesunde Schulspeisung zu ermöglichen. Aber steigende Nachfrage und Anmeldungen für das neue Schuljahr führen in Zukunft sicher zu Raumproblemen. Mario Mende erklärte Götz Ulrich und Harry Lienau, dass die derzeit sechs Klassenräume bei weitem nicht ausreichen und man auf andere Gebäude am Standort zurückgreifen müsse, die nicht saniert seien. Zudem wies man darauf hin, dass die Busanbindung nicht gegeben sei: Zurzeit organisieren sich die Eltern in Fahrgemeinschaften, um ihre Kinder zur Schule zu befördern. Götz Ulrich gab zu bedenken, dass es durchaus sinnvoll wäre, eine Busanbindung zu etablieren, um weitere Schüler aus dem nahegelegenen Markranstädt in Sachsen zu akquirieren. Das verhindere auch die Konkurrenz mit der staatlichen Schule in Hohenmölsen um Schülerzahlen.
 
Beide Politiker zeigten sich jedoch auch beeindruckt angesichts der geleisteten Anstrengenden des Trägervereins und sicherten auch in Zukunft ihre Hilfe zu. Götz Ulrich fand außerdem lobende Worte: „Man merkt, dass Mario Mende und Klaus-Dieter Hinz mit viel Herz dieses Vorhaben hier vorantreiben und dabei immer das Wohl der Schüler im Auge behalten. Das verdient ganz eindeutig Respekt und weitere Unterstützung durch den Burgenlandkreis.“
 
Harry Lienau, Götz Ulrich und Dirk Könnecke besuchen mit Mario Mende und Klaus-Dieter Hinz den Geometrie-Unterricht der 6. Klassen
Harry Lienau, Götz Ulrich und Dirk Könnecke besuchen mit Mario Mende und Klaus-Dieter Hinz den Geometrie-Unterricht der 6. Klassen
 
Gemeinsames Lernen statt Selektionmechanismen
 
Das Konzept der Gesamtschule sieht ein gemeinsames Lernen der Schüler bis Klasse 10 vor. Dabei erfolgt ab Klasse 7 in drei Fächern und ab Klasse 9 in zwei weiteren Fächern eine äußere Fachleistungsdifferenzierung in zwei Anspruchsniveaus. Danach sind der einfache, der erweiterte Realschulabschluss oder das Abitur möglich. Dies hat zur Folge, dass nach der Grundschule keine Selektion stattfindet und Spätentwickler die Chance bekommen, einen entsprechenden Abschluss zu erlangen. So hätten Kinder außerdem die Möglichkeit, sich noch entsprechend ihrer Fähigkeiten zu entwickeln und sich später für die Art ihres Schulabschlusses zu entscheiden, erklärt Vorstandsvorsitzender Mario Mende.
Derzeit unterrichten 16 Lehrkräfte die Schüler und Schülerinnen, fünf davon in Vollzeit. Am 26. April findet außerdem der Tag der offenen Tür statt, der Einblicke in den Schullalltag bietet.
 
 Foto und Text: Anna-Lena Dietrich