Beachten der Laufrichtung

Wer im März mit einem offenen Ohr durch die Freie Gesamtschule Lützen gegangen ist, konnte die Sorgen bei manchen Schülerinnen und Schülern angesichts des Corona-Virus erahnen. Gerüchte verbreiteten sich, Lehrkräfte wurden im Unterricht wiederholt auf das Thema angesprochen. Es waren nicht wenige an unserer Schule, die die damals noch ferne Krise mit immer größerer Besorgnis betrachteten.

So war es sicherlich aus gesundheitlicher Perspektive eine Erleichterung, als die Schließung der Schulen in Sachsen-Anhalt beschlossen wurde. Doch Ruhe kehrte nicht ein. Die Lehrerinnen und Lehrer bereiteten die digitale Umstellung ihres Unterrichts vor, notwendige Konzepte wurden von der Schulleitung sowie Trägerverein entwickelt und für die Schülerinnen und Schüler begann eine völlig neue Erfahrung: Lernen von Zuhause.

Es gab zuerst große Fragen: Wie soll die Prüfungsvorbereitung der Abschlussklassen gesichert werden? Wie können die Schülerinnen und Schüler Zuhause unterstützt werden, denen Schule nicht immer leichtfällt? Wie kann das Abitur im nächsten Jahr ohne Lücken vorbereitet werden? Man könnte noch Frage an Frage reihen, die plötzlich eine Lösung benötigten. Und so manch schmerzlicher Einschnitt musste hingenommen werden, da die Klassenfahrten und die Abschlussfeier der 10. Klassen entfallen mussten. Auch das Juventus-Fest wird auf einen neuen Termin verlegt. Doch bald gab es erste Erfolge. Wenn man bedenkt, wie schwerfällig sich die Digitalisierung im deutschen Schulsystem verbreitet, waren an unserer Schule schnelle Antworten möglich. Lehrer und Schüler konnten über eine digitale Plattform im regelmäßigen Austausch stehen. Arbeitsaufträge und Lösungshinweise füllten die digitale Wolke der Schule.

Seit Mitte April finden an der FGS Lützen wieder vorsichtige Schritte in ein normales Schulleben statt. Es waren zu Beginn die Abschlussklassen, die für die Vorprüfungen wieder in die Schule kamen und wieder unterrichtet werden durften. Es folgten die neunten Klassen und die gymnasiale Oberstufe. Doch die von vielen gewünschte Rückkehr zur Normalität erfüllte sich noch nicht, denn strenge Hygienemaßnahmen veränderten unsere Schule: Einbahnstraßen auf den Fluren, mitunter geteilte Klassen im wöchentlichen Wechsel, der gebotene Sicherheitsabstand und das Tragen eines Mundschutzes prägen unser Schulleben, wie es die alten Mauern des Schulgebäudes noch nicht beobachten konnten. So sind wir noch weit von unserem wohlbekannten Schulalltag entfernt. Besonders die Situation der fünften bis achten Klassen lässt so manche Lehrkraft, Eltern oder sicherlich auch Schülerinnen sowie Schüler unzufrieden zurück. Es bleibt festzustellen, dass die Krise noch nicht vorbei ist. Doch mit Geduld, Empathie und Verantwortung wird ein Neuanfang des Schullebens gelingen.

Tim Reinke
Fachlehrer Deutsch/Geschichte