Der erste Besuch der schwedischen Partnerschule Hvitfeldtska Gymnasiet Göteborg an der Freien Gesamtschule in Lützen vom 04.11. – 08.11.2019

Neue Gesichter blicken sich suchend um. Ungewohnte Worte hallen durch den Raum 2.1.3. am Morgen des 5. Novembers. Es handelt sich um schwedische Worte, die einige aufgeregte schwedische Gastschüler noch miteinander wechselten, bevor ihre Tage an der Freien Gesamtschule Lützen beginnen.

Im Sommer besuchte eine Delegation aus Lützen, bestehend u.a. aus der Ehrenbürgerin Dr. Inger Schubert und dem Bürgermeister der Stadt Lützen Uwe Weiß sowie der Museumsleiterin Katja Rosenbaum, die Stadt Göteborg und folgte einer Einladung des Hvitfeldtska Gymnasiet. Nach dem erkenntnisreichen Besuch wurde der Kontakt mit Frau Littmann, der Schulleiterin der Freien Gesamtschule „Gustav Adolf“, hergestellt, wo schon lange der Wunsch bestand, eine Schulpartnerschaft mit einer schwedischen Schule zu etablieren.

An diesem Dienstagsmorgen betrat die Delegation aus drei schwedischen Lehrkräften und vierzehn Schülerinnen und Schüler neugierig den Raum in der Freien Gesamtschule. Die Strapazen der langen Anreise, die am Montagmorgen gegen vier Uhr morgens in Göteborg begannen, war den Gästen nicht anzumerken. Das lag auch sicherlich an der herzlichen Begrüßung durch die vierzehn Schüler der Freien Gesamtschule Lützen aus den zehnten bis zwölften Klassen, die die schwedischen Gastschüler gegen 16 Uhr am Vortag in Markranstädt in Empfang genommen hatten. Somit lauschten die versammelten Schülerinnen und Schüler konzentriert, als Frau Littmann und Herr Mende ihre Grußworte an die Jugendlichen richteten.

An diesem Tag sollte es hauptsächlich darum gehen, sich der reichen Geschichte Lützens im Dreißigjährigen Krieg zu nähern. Dafür erhielten die Schülerinnen und Schüler von ihren Geschichtslehrern Frau Miersch und Herrn Reinke den Auftrag mit dem schwedischen König Gustav II. Adolf ein Interview zu führen, um die bewegte und kontroverse Person des Blaublüters für die Jugendlichen nach vierhundert Jahren begreifbar zu machen. Auf der anderen Seite wurden Charakteristika des Krieges und dessen Bedeutung für die Region erarbeitet. Nach einer produktiven Arbeitszeit in kleineren, gemischtsprachigen Gruppen wurden die Ergebnisse in Form von Flugblättern und die aufgenommenen Interview-Videos betrachtet, wobei sich Ernst und Humor ergänzten. Am Ende wurden diese Erkenntnisse noch in einer nachdenklichen Diskussion aufgegriffen, indem die Lehren des Dreißigjährigen Krieges für die Gegenwart hinterfragt wurden. 

Nach so viel geistigem Einsatz verlangte es natürlich nach einem entsprechenden körperlichen Ausgleich, weshalb auf der Kegelbahn bei entspannten Gesprächen und fröhlichen Wettkampf der Tag seinen Ausklang fand. Kegeln ist bei unseren nordischen Gästen weniger populär. Umso erfreulicher war es daher, dass es Frau Flemming gelungen war, mit dem hiesigen Kegelverein dieses Nachmittagsprogramm zu realisieren. Auch Frau Franke moderierte mit viel Herzblut dieses Event und trug zu einer angenehmen Stimmung bei.

Am 6. November 2019, dem 387. Todestag des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf, machten sich die Gäste mit Frau Flemming und Frau Miersch auf, sich bei der Kapelle und dem Gustav-Adolf-Denkmal diesem geschichtsträchtigen Ort zu nähern. Ein Rundgang durch die Ausstellung in dem schwedischen Blockhaus der Gedenkstätte und die Musikandacht in der Gustav-Adolf-Kapelle sowie die gemeinsame Kranzniederlegung von schwedischen und deutschen Schülern waren sicherlich ein gemeinsamer Höhepunkt. Die schwedischen Lehrkräfte konnten im Anschluss dem Empfang des Bürgermeisters im Ratssaal beiwohnen. Danach klang der Tag für alle Schülerinnen und Schüler bei einem gemeinsamen Kuchennachmittag im Gasthof „Roter Löwe“ am Markt aus. 

Der Donnerstag stand ganz im Zeichen der sächsischen Metropole Leipzig. Zuerst erschlossen sich die Jugendlichen die im Laufe der Zeit durchaus kontroverse Geschichte des Völkerschlachtdenkmals und gingen kritisch der Frage nach, welche Form der Erinnerungskultur unserer Gesellschaft heute noch als angemessen erscheint.             

Danach lockte endlich die Innenstadt Leipzigs. Die Lützener Schüler durften nun ihre Fähigkeiten als Fremdenführer unter Beweis stellen. Mit Hilfe eines Stadtrallyequizz konnten nacheinander imposante Gebäude sowie Orte der friedlichen Revolution aufgesucht werden. Dann hatten die Jugendlichen noch Freizeit für gemeinsame Unternehmungen, welches auch die Lehrkräfte aus Schweden und Deutschland nutzen, um wortwörtlich die Möglichkeiten des Austausches zu nutzen. Den krönenden Abschluss des Leipzig-Ausfluges bildete der Besuch der Aussichtsplattform des City Hochhauses. Genau zur Abenddämmerung standen alle Schüler andächtig am Geländer und bewunderten den Ausblick über die pulsierende Stadt.

Der Tag des Abschieds kam für manche doch schneller als gedacht und gewünscht, sodass nach einem gemeinsamen Frühstück in der Schule, der feierlichen Übergabe der Abschiedsgeschenke, die von der Stadt Lützen und der Schule gestellt wurden, und einem letzten Besuch im Lützener Schloss sich doch eine gewisse gedrückte Stimmung angesichts des Abschiedes breit machte, denn viele hatten die Woche sehr genossen, die ihnen bereits jetzt als viel zu kurz schien. So teilten bestimmt viele den Wunsch des Bürgermeisters, der im Lützener Schlosshof den Wunsch äußerte, dass diesem Austauschprogramm eine erfüllte und lebendige Zukunft gegönnt sei. Und so manche Teilnehmer am Gegenbesuch im Mai 2020 werden die Zeit bis dahin kaum erwarten können. Der Bürgermeister scherzte, am liebsten würde er selbst im kommenden Jahr mitfahren.  Die versammelten Jugendlichen und die Lehrkräfte konnten diesen Wunsch allzu gut nachvollziehen, denn für alle Beteiligten war es eine sehr eindrückliche Erfahrung.