LÜTZEN/MZ. Mit 20 000 Euro haben sechs Firmen den Grundstock für die Sammelaktion des Trägervereins für eine neue Schule in Lützen gelegt. Am Freitagabend überreichte stellvertretend für diese Unternehmen Klaus Trittmacher von der Firma Röchling Technische Kunststoffe in der Lützener Kirche den Scheck an Vereinsvorsitzenden Mario Mende.

In Sankt Viti feierte der Verein sein erstes Fest und eröffnete damit die Sammelaktion zur Finanzierung des Schulgründungsvorhabens. Dafür hatte Pfarrer Joachim Salomon gern die Türen der Stadtkirche geöffnet. Denn er steht nicht nur dazu, dass die Kirche im Dorf bleiben muss, wie es ein Sprichwort besagt, sondern "die Schule erst recht". Deswegen freute er sich, dass so ungewohnt viele Menschen - etwa 130 - gekommen waren, um in der Kirche und auf dem kleinen Hof daneben zu feiern und mit kleineren Beträgen den Topf mit Spendeneinnahmen zu füllen.

Eine Tombola, deren Hauptpreis ein Fahrrad war, und Stände, an denen es etwas zu essen und zu trinken gab, halfen dabei. Vor allem aber hatten die Zweitklässler mit ihrem fast 45-minütigen Theaterprogramm sich Anerkennung verdient: Ein Außerirdischer war auf der Erde gelandet und verirrte sich, als er sie bestaunte.

Scheinbar aussichtslos suchte er mit Hilfe der verschiedenen Wesen sein Raumschiff. Immer wieder aber gab es Hoffnung und kam er ein Stück weiter, schließlich auch wieder zu seinem Raumschiff und nach Hause. Parallelen zur Schulsituation in Lützen sollten gezogen werden.

Hilflos sahen sich die Lützener zunächst der Entscheidung zur Schließung ihrer Sekundarschule gegenüber. Doch seit Mai dieses Jahres gibt es den Verein, der sich die Gründung einer privaten Gesamtschule "Gustav Adolf" auf die Fahnen geschrieben hat, die an die Stelle der Sekundarschule treten soll. Und der hat ein Konzept vorgelegt, nach dem im nächsten Jahr wieder der Unterricht für zwei fünfte Klassen in Lützen beginnen könnte. Die Stadt hat das Schulgebäude erworben und sich gemeinsam mit dem Verein auf einer Wirtschaftskonferenz der Unterstützung der Unternehmen versichert.

Auf die Wirtschaft vor allem rechnet Mario Mende jetzt. In den nächsten sechs Wochen müsse so viel Geld auf dem Vereinskonto eingehen, dass mit der Antragstellung zur Gründung der neuen Schule im Dezember der Landesregierung ein schlüssiger Nachweis erbracht werden könne, die Schule in den ersten drei Jahren selbst zu finanzieren. Das erwartet der Gesetzgeber. Eine Million Euro sind dafür aufzubringen. "Wir werden uns beteiligen", sagt Dirk Eschholz, Geschäftsführer der in Zorbau ansässigen Firma New Generations Kilns Grün GmbH. Persönlich unterstütze er den Verein bereits als Mitglied, doch von der Firma, die ihre Ursprünge in Michlitz hat und zur Region steht, werde auch ein Beitrag kommen. In welcher Höhe, das ließ Eschholz am Freitag noch offen.

"Wir werden es schaffen", waren sich Christina Gärtner und Cathrin Brack einig, die durch ihre Anwesenheit demonstrieren wollten, dass sich viele Menschen aus Lützen und seinen Ortsteilen dafür einsetzen, dass ihre Kinder, Enkel und Urenkel kurze Schulwege haben und ihre Freizeit lieber in Vereinen als im Schulbus verbringen können. "Ich wünsche sehr, dass genug Geld rein kommt", sagte Cathrin Brack, die mit ihrer Enkelin Lina Victoria gekommen war. Unvorstellbar erscheint es Christina Gärtner, die in Lützen geboren und aufgewachsen ist, dass ihre Urenkel - drei hat sie von ihren sechs Enkeln schon - nicht in Lützen zur Schule gehen könnten.




(VON HEIKE RIEDEL)

(Quelle: www.mz-web.de)