VON HEIKE RIEDEL

 

LÜTZEN/MZ. Der Schuljahresbeginn am 6. September rückt in Windeseile heran. "Werden wir alles schaffen?", fragt sich Klaus-Dieter Hinz immer wieder. Er wird die neue Gustav-Adolf-Schule in Lützen leiten und ist jetzt aufgeregt - fast so wie an seinem ersten Schultag als Lehrer. Der liegt immerhin schon 27 Jahre zurück. Doch seit zwei Jahren ist für den 52-Jährigen sein Beruf zu einer besonders spannenden Sache geworden. Gerade als er darüber nachdachte, sich beruflich noch einmal zu verändern, veränderte sich die Welt um ihn. Für die Schule in Lützen, in der er gleich nach seinem Diplom als Mathe- und Physiklehrer eingesetzt wurde und seit 1991 stellvertretender Schulleiter war, kam 2010 mit einem Kreistagsbeschluss das Aus.

 

Aller Widerstand der Lützener dagegen brachte nichts. In diesem Sommer verließen die letzten Schüler die Sekundarschule Lützen. Als Hinz 2010 von ein paar bereits aus dem Berufsleben ausgeschiedenen Lehrerinnen angesprochen wurde, doch eine Schulalternative für Lützen zu eröffnen, da war er dabei.

 

"Ich bin kein Verfechter privater Schulen, weiß, dass an den staatlichen Schulen auch eine sehr gute Arbeit geleistet wird", sagt er trotzdem. "Im Fall Lützen haben uns aber die Bürger für die Erhaltung des Schulstandorts eine Art Mandat gegeben", begründet Hinz, warum er dann seine ganze Freizeit dem Ziel Gründung einer neuen Schule in Lützen unterordnete. So zäh wie er schon immer für Marathonläufe trainiert, so zäh sammelte er Erfahrungen von privaten Schulen ein und rannte zu Versammlungen und Behörden. Als der Trägerverein für die Freie Gustav-Adolf-Schule gegründet wurde, war schon vieles geklärt. Die gute Vorarbeit half schließlich auch, dass das Schulkonzept das Kultusministerium überzeugte und die Schule genehmigt wurde.

 

Als Hinz zur Sekundarschule am Schwanenteich in Zeitz versetzt wurde, weil es in Lützen für ihn keine Arbeit mehr gab, sagte er den Kollegen gleich, dass noch eine neue Aufgabe auf ihn warte und er nur vorübergehend in Zeitz unterrichten werde. Denn bereits im März 2011 hatte er sich bereit erklärt, als Schulleiter in Lützen Verantwortung zu tragen. "Ich habe noch einmal so viel gelernt", schaut er heute zufrieden zurück auf sein Zeitzer Jahr.

 

Nun entsteht in Lützen die erste Gesamtschule des Burgenlandkreises, eine, in der die Kinder ab der fünften Klasse schulortnah und trotz unterschiedlicher Schulabschlüsse möglichst lange gemeinsam lernen, mindestens bis zur neunten Klasse. Weiter geht es bis zur 10. oder 12. Klasse. Das Wort Gemeinschaftsschule im Namen des Trägervereins steht für die Gemeinschaft, die dahinter- steht, Bürger, Eltern, Unternehmen, Stadt und die anderen Helfer. Zudem baut Hinz auf das Lehrerteam, das er nach Bewerbungsgesprächen mit 18 Lehrern zusammenstellen konnte. Sie sind alle voll engagiert, auch wenn sie erst einmal nur den Bedarf abdecken, der sich für die ersten 39 Kinder - zwei Klassen - ergibt.

 

Sie werden nicht nur ihre Fächer unterrichten, sondern auch Arbeitsgemeinschaften anbieten. Die Kinder sollen mindestens zweimal wöchentlich über den Unterricht hinaus in der Schule bleiben. Bis 15.30 Uhr herrscht Schulbetrieb einschließlich Hausaufgabenzeit, Arbeitsgemeinschaften und Förderstunden, erklärt der Schulleiter.

 

Selbst jene Eltern, denen es schwerfällt, das Schulgeld von 120 Euro monatlich zu bezahlen, beteiligen sich freiwillig mit einem geringeren Monatsbeitrag an der Finanzierung. Denn sie wollen alle diese Schule.

 

Das Lehrerteam

 

LÜTZEN/MZ. Den Anfang macht die neue Schule mit folgenden zehn Lehrern:

 

Vollzeitbeschäftigt : Klaus-Dieter Hinz, Mathematik, Physik, Technik, Klassenleiter; Patrick Schakel, Deutsch, Geschichte, Klassenleiter, war schon an Privatschule tätig.

 

Teilzeitbeschäftigt : Janine Einecke Mathematik, Chemie, Hauswirtschaft, Berufseinsteigerin; Hannelore Kurtze Englisch, zuvor Freiberuflerin.

 

Auf Honorarbasis : Annegret Berger, Musik; Patricia Reinecke, Kunsterziehung, beide sind selbstständig tätig und haben die Lehrbefähigung.

 

Geringfügig beschäftigt : Kathrin Just, Biologie, Sport; Alexander Just, Sport; Iris Kannenberg, Methodentraining,die drei Letztgenannten sind als Fachlehrer in Zeitz hauptberuflich tätig; Jörg Wiebigke, Geographie, hauptberuflich in Weißenfels tätig.