Mehr Mitspracherecht für Kommunen

 

Von Birger Zentner

 

Landrat Götz Ulrich hat zu einem Bildungsforum eingeladen. Bildungsministerin Sylvia Löhrmann aus Nordrhein-Westfalen berichtet über gute Erfahrungen aus der Praxis.

Weißenfels.
Hätte sich zum Beispiel die Schließung der Sekundarschule Lützen vor einigen Jahren vermeiden lassen, wenn es schon damals ein regionales Bildungsmanagement gegeben hätte? Ließe sich die Schließung der Förderschule Hohenmölsen umgehen, wenn das regionale Bildungsmanagement des Burgenlandkreises schon aus den Kinderschuhen herausgewachsen wäre?

Die Fragen wird man nur mit Mutmaßungen beantworten können. Aber die Fragestellung macht zumindest deutlich, dass es höchste Zeit ist, den Kommunen - Städten, Gemeinden und Landkreisen - ein Mitspracherecht und vor allem ein Recht zur Mitorganisation der Bildungslandschaft in der Region einzuräumen. Davon ist Sachsen-Anhalt noch weit entfernt. Sehr deutlich wurde das bei einem Forum, zum dem Landrat Götz Ulrich (CDU) eingeladen hatte und das am Sonnabend in der Aula des Weißenfelser Goethegymnasiums stattfand. „Kommunale Koordinierung von Bildung - Worthülse oder echte Chance für regionale Bildungslandschaften“ hieß das etwas sperrige Thema des Nachmittags.

Ulrich hatte dazu mit der Bildungsministerin Nordrhein-Westfalens (NRW) Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Die Grünen) eine Frau eingeladen, die an eben dem Thema seit Jahren arbeitet und erste Erfolge zu verzeichnen hat. Wie sie in einem Vortrag sagte, gab es die ersten Diskussion um etwas ähnliches - in NRW regionales Bildungsnetzwerk genannt - bereits Mitte der 1990er Jahre, ab 1997 die ersten Pilotprojekte, mittlerweile sind die Netzwerke landesweiter Standard. Und sie haben nach Einschätzung von Löhrmann dazu beigetragen, die Struktur der Bildungslandschaften den regionalen Erfordernissen und zum Teil auch Wünschen anzupassen.
Burgenlandkreis ist Vorreiter

Wie weit Sachsen-Anhalt davon entfernt ist, machte Ulrich klar. Der Burgenlandkreis ist seit vorigem Jahr in Sachsen-Anhalt Vorreiter mit dem Aufbau eines regionalen Bildungsmanagements. Es gibt auch eine Kooperationsvereinbarung mit dem Landesschulamt, aber „im Kultusministerium spielt das keine Rolle, gibt es keinen Verantwortlichen“, sagte er. Dabei hatte Löhrmann sehr deutlich gemacht, dass es ohne das Engagement von der ministeriellen Ebene nicht funktionieren kann. Auch sie argumentiert, ähnlich wie man es in Sachsen-Anhalt tut, dass Schulen eine gewisse Mindestgröße haben müssen, um vernünftig Angebote machen zu können. Doch anders als in Sachsen-Anhalt hat man sich in NRW entschieden, zum Beispiel Schulteile zuzulassen. So bleibe es für die Kinder bei akzeptablen Entfernungen zur Schule, dafür müssten Lehrer weitere Wege auf sich nehmen.

Das wurde ja auch schon im Zusammenhang mit der Förderschule Hohenmölsen in die Debatte geworfen, um den Standort zu erhalten, ihn zum Beispiel als Außenstelle zu betreiben. Gehör fand man damit bislang nicht. Hätten die Kommunen stärkeres Mitspracherecht, könnte da ein Lösungsweg liegen.

Mit dem regionalen Bildungsmanagement sollen Strukturen aufgebaut werden, an denen viele Partner mitwirken. Daraus sollen Vorschläge für die Entwicklung der Bildungslandschaft entstehen und in Kooperation mit dem Kultusministerium umgesetzt werden. Der Burgenlandkreis hat damit angefangen, bekommt auch die Unterstützung der mitteldeutschen Transferagentur, die von den Bundesländern Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen ins Leben gerufen wurde und deren Leiterin Elke Schreiber die Veranstaltung am Sonnabend moderierte.

In einer Podiumsdiskussion zeichnete Mario Mende vom Förderverein für die freie Privatschule Lützen nach, wie außerhalb des staatlichen Schulsystems eine kommunale Zusammenarbeit erfolgreich sein kann. Nämlich auf der Grundlage der Mitarbeit engagierter Eltern, verschiedener Geldgeber, aber auch durch Unterstützung der Stadt Lützen und des Burgenlandkreises. Letzterer hatte mit der Bereitstellung der Immobilie für die Privatschule eine wesentliche Voraussetzung geschaffen, nachdem er auf Geheiß des Landes die Sekundarschule zuvor geschlossen hatte. Auch wenn die meisten Vergleiche hinken, das war ein kleines Beispiel kommunaler Kooperation in Sachen Bildung. (mz)


Quelle: www.mz-web.de

 

 

 

Nun auf Kurs bis zum Abitur

 

Die Freie Gesamtschule „Gustav Adolf“ in Lützen ist mit 168 Mädchen und Jungen in den Klassenstufen fünf bis acht ins Schuljahr 2015/2016 gestartet. Die Begrüßungsfeier für die 44 Neuen fiel diesmal ganz besonders freudig aus. Denn mit ihr wurde zugleich die staatliche Anerkennung der Schule gefeiert. Heike Riedel sprach mit Mario Mende, dem Vorsitzenden des Trägervereins der Schule, darüber und über die ersten außerschulischen Aktionen dieses Schuljahres.

Schule kommt aus den Kinderschuhen

Die Freie Gesamtschule Gustav Adolf in Lützen bietet als anerkannte Ersatzschule zukünftig eine Ausbildung bis hin zum Abitur. Auch die guten Leistungen der Schüler tragen dazu bei.

Sie kommt aus den Kinderschuhen, die Freie Gesamtschule Gustav Adolf in Lützen. Das haben gestern Schüler- und Lehrerschaft, Eltern und Verwandte, Politiker und Freunde der Schule mit dem Abschlussfest des Schuljahres gefeiert.

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