Stille. Eine Tür fällt am Ende des Schulflures leise ins Schloss. Schritte entfernen sich. Stille. Auf dem ersten Blick könnte die Freie Gesamtschule „Gustav Adolf“ verlassen wirken, doch der Eindruck täuscht. Noch immer findet im Gebäude Unterricht statt.

Während die Abschlussklassen der zehnten und dreizehnten Klassen regelmäßig vor Ort beschult werden, um sie bestmöglich auf die anstehenden Prüfungen in diesem Jahr vorzubereiten, hört man gelegentlich doch die eine oder andere Stimme aus einer geöffneten Tür, die den anderen Jahrgängen zuzurechnen ist. Doch wer einen Blick in den Klassenraum wirft, entdeckt dann doch nur einen Lehrer vor einem Laptop. Seit Beginn des neuen Jahres 2021, als die geschlossenen Schulen in Deutschland wieder die Regel wurden, hat sich die FGS Lützen das Ziel gesetzt, in den kommenden Zeiten des Distanzunterrichtes den Schülern auf neue Art und Weise zur Seite zu stehen. Seit dem 11. Januar finden im üblichen Rhythmus des Stundenplans Videokonferenzen statt, damit der Unterricht seine Lebendigkeit und seine unverzichtbare zwischenmenschliche Seite bestmöglich behält.

Es war kein risikofreier Weg, denn es war von Anfang an nicht klar, wie man die Qualität des Präsenzunterrichtes in das digitale Format übertragen könnte: Wie muss der Unterricht verändert werden, um den digitalen Anforderungen entgegenzukommen? Welche sinnvollen Elemente können beibehalten werden? Wo muss man möglicherweise Methoden des Unterrichts anpassen, damit sie auch auf Distanz wirken?

Dabei war die Umsetzung anfangs von Schwierigkeiten geprägt. Mitunter konnten Schülerinnen und Schüler nicht an den Konferenzen teilnehmen. So manches Mikrofon verlieh eher ein Rauschen statt einer Stimme. Tafelbilder und Folien ließen sich mitunter nicht ohne Probleme teilen. Doch mit gegenseitigem Respekt für die Bemühungen sowohl seitens der Lehrkräfte und als auch der Schülerschaft nahm der digitale Unterricht an Fahrt auf. Wenn trotzdem ein unerwartetes Problem auftrat, half zuerst eine Spur Humor, aber viel öfter war es Herr Reinicke, der die ersten Unebenheiten auf dem Weg zum digitalen Lernen ausräumte. Wenn so manche Diskussion anfangs noch zögerlich verlief, schmolzen allmählich die Berührungsängste, bis erfrischend lebendige Diskussionen entstanden. Selbst erarbeitete Ergebnisse konnten von Schülerinnen und Schüler mit der gesamten Klasse geteilt und besprochen werden. Lehrkräfte gaben Rückmeldungen oder boten Hilfestellungen, sodass Inhalte endlich wieder gemeinsam erarbeitet werden konnten. Und auch wenn so mancher Lernender mit einer gewissen Sehnsucht an die Freiheit des ersten Lockdowns im Frühjahr dachte, wo eine größere Selbstständigkeit und Organisation von Schülerinnen und Schülern erwartet wurde, zeigte sich bereits nach wenigen Tagen ein großer Vorteil: Es gab einen strukturierten Schulalltag, mit einem klaren Anfang und Ende, mit regelmäßigen Pausen sowie Gesprächen mit den Lehrern und Mitschülern. Ein Stückchen Normalität in diesen oftmals unruhigen Zeiten. 

Autor: Tim Reinke